Vorsicht Vorsorge! Wenn Prävention nutzlos oder gefährlich wird.

Vorsicht Vorsorge

Frankfurt 2008 (Suhrkamp-Verlag)

Menschen, die erst zum Arzt gehen, wenn sie schon krank sind, trifft man heute immer seltener. Sie sind sogar verdächtig. Man kann ja inzwischen so viel tun, um gesund zu bleiben! Die Möglichkeiten scheinen geradezu unbegrenzt: Von der Krebsvorsorge bis zum arteriendurchpustenden Vitaminpulver ist für jeden etwas dabei. Früherkennung ist längst zum A und O des Gesundheitswesens geworden. Es gibt jedoch stichhaltige Argumente, dass dem nicht so ist. Der Arzt und Publizist Werner Bartens warnt in seinem neuen Buch „Vorsicht Vorsorge!“: Schon längst ist die Arztpraxis nicht mehr ein Ort, der Gesundheit verspricht. In den Wartezimmern regiert vielmehr die Panikmache. Die Botschaft ist klar: Risiken gibt es überall. Die Mittel dagegen aber auch. Für Bartens steht fest: Das Gesundheitswesen hat sich zur Krankheitsindustrie gewandelt. Die Leute werden systematisch für krank erklärt.
Dabei ist Bartens gar nicht gegen Vorsorge. Er verwehrt sich allerdings gegen die landläufige Annahme, Vorsorge könne in keinem Fall schaden. Das völlig unkritische Verhalten von Ärzten zur Präventionsfrage bedeutet sehr wohl auch ein Risiko für den Patienten. Das sinnlose Verunsichern und Verängstigen ist mitnichten gesundheitsfördernd. Der Autor setzt hier ganz auf Offenheit. Chancen und Risiken einer präventiven Untersuchung oder eines vorbeugenden Verhaltens müssen vom Arzt realistisch erörtert werden. Nur das kann zu gesunden Erwartungshaltungen beim Patienten führen. Dass die Zusammenhänge hier wesentlich komplexer sind und sich nicht an einfachen Ursache-Wirkungs-Zusammenhängen aufschlüsseln lassen, macht Bartens in beeindruckender Klarheit deutlich. Äußerst versiert führt er durch das Dickicht aus medizinischem Irrglauben und kurzsichtig-ökonomistischer Wissenschaft. Die kann sich sogar die Pizza schönforschen, wenn ihr das von Nutzen sein sollte.“
(FRANKFURTER ALLGEMEINE ZEITUNG)

Der Autor will nicht gegen die Prävention insgesamt zu Felde ziehen, sondern dafür sensibilisieren, sich die Versprechungen der Präventionsindustrie genauer anzusehen. An die Ärzte appelliert er, ihre Patienten (oder in der Prävention: ihre gesunden Kunden) besser über die Vor- und Nachteile von Früherkennungsuntersuchungen aufzuklären und ihnen eine fundierte Entscheidung zu ermöglichen, welche Untersuchungen sie in Anspruch nehmen wollen. Das Buch stellt keine systematische Abhandlung über die Prävention dar, aber es gibt Anstöße, über Nutzen und Risiken mancher Präventionsleistungen und über die ärztliche Pflicht zur Aufklärung darüber etwas gründlicher nachzudenken.“
(DEUTSCHES ÄRZTEBLATT)