Heillose Zustände – warum die Medizin die Menschen krank und das Land arm macht

Heillose Zustände


Oktober 2012 (Droemer Verlag)

Werner Bartens hat mit „Heillose Zustände: Warum die Medizin die Menschen krank und das Land arm macht“ den wichtigsten Beitrag zum Zustand des deutschen Gesundheitssystems verfasst. Das Buch ist pointiert, detailreich, dann und wann auch polemisch, aber immer lehrreich – wie es Bartens als Journalist und Leiter Wissenschaft der „Süddeutschen“ ist.“
(JURY FÜR DIE WAHL ZU DEN JOURNALISTEN DES JAHRES 2012)

Riskante Brustimplantate, Krebsvorsorge im Übermaß, teure Medikamente ohne groflen Mehrwert – Schlag auf Schlag zeigt der Medizinjournalist Werner Bartens in seinem Buch „Heillose Zustände“ fragwürdige Therapien auf. Medizin werde in Deutschland vor allem als Wachstumsbranche angesehen. Dann braucht man neue Angebote. Dies bringe quasi automatisch neue Nachfrage – denn Regulierung und Kontrolle gebe es in Praxis und Klinik zu wenig. Beispiele nennt der gelernte Arzt reihenweise: So würden die Wechseljahre der Frau heute vielen als eine Art Krankheit erscheinen. Normale Trauer wird zur Depression, zur Krankheit gemacht. Grenzwerte für Blutfette oder Bluthochdruck würden immer weiter gesenkt. 70 bis 80 Prozent der Röntgenaufnahmen bei Rückenschmerzen seien zudem fragwürdig. Ebenso würden Kniegelenke öfter gespiegelt als nötig. Es ist ein drastisches Buch. Als detaillierter Weckruf und faktengesättigte Streitschrift für eine humanere Medizin entfaltet das Buch eine ziemliche Wucht.“
(stern.de)

Heillose Zustände – der Titel ist eindeutig und er ist wörtlich zu verstehen. Gewohnt klar und deutlich formuliert der Mediziner und Journalist Werner Bartens von der ersten Zeile an, was in unserem Medizinsystem alles schiefläuft. Sein Bericht ist eine sehr gut recherchierte Anklageschrift, wie Staatsanwälte sie sich wünschen würden, sie hätten sie über den Medizinapparat zu verhandeln. Das ist natürlich nicht der Fall, denn offiziell hat sich niemand etwas zuschulden kommen lassen. Trotzdem geht es in diesem Buch um Verschwendung, Geldgier, fehlendes Unrechtsbewusstsein, Missachtung wichtiger Sicherheitsstandards und zahlreiche gefährliche und unnötige Experimente an Patienten. Das sind alles keine Behauptungen, sondern in Studien ermittelte Tatsachen, zeigt uns Bartens. Alle Untersuchungen hat er akribisch aufgelistet und rät seinen Lesern sogar, sich diese im Detail anzuschauen, denn das Ausmaß an gefährlichen und unnützen Interventionen in der Medizin ist gewaltig. Mehr Aufklärung geht nicht.
Werner Bartens geht aber noch einen Schritt weiter. Fast verwegen fordert er am Ende die Abschaffung des Bundesgesundheitsministeriums. Das ist ernst gemeint und logisch, denn es entscheiden nicht unabhängige Ärzte und Patienten über die Zulassung von Medikamenten und die Bezahlung von medizinischen Dienstleistungen, sondern Politiker, die sich einer Medizinindustrie verpflichtet sehen.
Damit ist das Buch neben der erschreckende Analyse auch als ein Appell an die Verantwortlichen zu lesen, sich dem Dschungel des Medizinapparates zu stellen. Die Karten liegen offen auf dem Tisch. Werner Bartens hat die Finger wieder mal gekonnt und diesmal äußerst tief in die Wunde gelegt.“
(DEUTSCHLANDFUNK)